Stromtrassen – Viele Wege führen nach Rom

25.02.2021 von Anita Dieminger

© SFV.de
Anita Dieminger

Es gibt immer mehrere Wege, um ans Ziel zu kommen. Einer dieser Wege ist sicherlich auch der Bau von den „liebevoll“ genannten „Monstertrassen“. Es handelt sich dabei um sogenannte HGÜ-Leitungen (Hochspannung-Gleichstrom-Übertragung). Hier fließt also kein Wechselstrom, wie wir es von bestehenden Leitungen oder unserer Haushaltssteckdose kennen, sondern es handelt sich um Gleichstrom, der dann wieder in Wechselstrom umgewandelt werden muss.

Als wir vor ca. 6 Jahren eine Bürgerinitiative gegen diese Trassen ins Leben riefen, war die Begründung für den Bau, dass „sonst die Lichter in Bayern ausgehen“ würden, weil ja die AKW´s 2022 allesamt vom Netz gehen. In meiner Heimat gibt es „nur“ noch das eine Atomkraftwerk in Gundremmingen und ich kann Ihnen versichern, wir haben immer noch Licht – auch wenn dieses in Revision ist. Da der Widerstand gegen die Leitungen nach wie vor sehr groß ist und die Leitungsvorhaben Südlink und Südostlink keinesfalls bis 2022 fertiggestellt werden können, kann man inzwischen eine andere Begründung für den Bau vernehmen. Jetzt bekommen die Leitungen ein modernes Greenwashing – einen grünen Anstrich, denn sie sollen für den Windstrom sein, der von Nord- nach Süddeutschland fließen soll. Dass auch im Norden AKW´s vom Netz gehen (Brokdorf, Grohnde, Emsland), ebenso wie Kohlekraftwerke und auch der Norden Strom benötigt, wird ungern erwähnt. Hier wird der Eindruck erweckt, als ob der Norden uns hier im Süden in Zukunft versorgen wird. Für die Versorgungssicherheit ist das Leitungsvorhaben aber lt. Netzentwicklungsplan und dem Energiedialog Bayern nicht notwendig, wohl aber für den europäischen Strombinnenmarkt. Schafft Deutschland seine vereinbarten europäischen Ausbauziele bis 2025 nicht, sind Strafzahlungen fällig. Deshalb kann man z.B. bei Südlink und Südostlink offiziell nachlesen, dass es sich hierbei um ein sog. PCI-Projekt (project of common interest) – ein Projekt von gemeinsamen europäischem Interesse handelt. Es geht schlichtweg um den europäischen Stromtransit, der wie wir alle wissen, sehr farbenfroh sein kann.

Diese ganzen Hintergründe sind für viele Menschen nur schwer nachvollziehbar, was die Sache aber nicht einfacher macht. Eins ist aber immer gleich: Egal wo die Trassen hin verschoben werden, keiner will sie haben. Also müssten die Verantwortlichen doch endlich einmal die Vertrauensfrage stellen: Was für einen alternativen Weg gibt es? Statt auf ein zentrales Leitungssystem in Form von neuer HGÜ-Technik in stark besiedelten Gebieten zu setzen, das die Allgemeinheit zu bezahlen hat und von dem nur einige Wenige wirtschaftlich profitieren, werden die Stimmen nach einer dezentralen, bürgerfreundlichen Energieversorgung immer größer.

Regionalität nimmt die Menschen mit, gibt ihnen Wertschöpfung vor Ort in Form von langfristigen Arbeitsplätzen und Versorgungssicherheit. In kritischen Zeiten wie diesen, ist man froh, wenn man nicht vom Ausland abhängig ist, sondern wichtige Dinge vor Ort bekommt. Und da gehört unsere Energieversorgung genauso dazu wie z.B. unsere Lebensmittel oder Arzneimittel. Warum also lernt unsere Politik nichts aus dieser Krise und schlägt endlich einen anderen Weg ein? Einen Weg, den die Menschen lieber mitgehen würden. Dazu müsste man aber endlich einmal die regionalen Ausbaumöglichkeiten ausschöpfen und ein ambitionierter Klimaplan vorgelegt werden – und zwar einer, der sich nicht am Jahr 2050 orientiert, sondern am Pariser Klimavertrag, dem sich auch Deutschland verpflichtet hat.

Erneuerbare Energien können dezentrale Strukturen schaffen, reduzieren teuren, überregionalen Leitungsbau, schaffen Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und nehmen die Menschen durch Bürgerbeteiligung mit. Anita Dieminger

Selbst wenn die HGÜ-Leitungen gebaut würden, wären wir dem 1,5 Grad Klimaziel keinen Schritt entgegen gekommen. Würde man aber einen klugen Ausbau von Speicher, Wind und Sonnenstrom forcieren, hätte man „viele Fliegen mit einer Klappe“ geschlagen. Erneuerbare Energien können dezentrale Strukturen schaffen, reduzieren teuren, überregionalen Leitungsbau, schaffen Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und nehmen die Menschen durch Bürgerbeteiligung mit – UND sie produzieren echten grünen Strom. HGÜ-Leitungen produzieren Nichts, sie leiten nur Strom über weite Strecken. Die Kosten, die dadurch entstehen, zahlt jeder Bürger und jedes Unternehmen mit seiner Stromrechnung – außer sie gehören zu denen, die von diesen Kosten befreit sind.

Würde man die Umweltkosten und Klimakosten bei der Trassenplanung einkalkulieren, so wäre dieses Projekt schon längst vom Tisch. Egal ob riesige Masten oder Erdverkabelung, hunderte Kilometer an Natur, Wald, wichtiger landwirtschaftlicher Fläche und wertvoller Boden würden darunter massiv leiden. Auch die Freisetzung von CO2 durch solch ein Großbauprojekt ist in diesem Zusammenhang sicher nicht unerheblich, was bis heute allerdings nie Berücksichtigung fand. Und das nur für einen Weg, den Viele bezahlen sollen, den aber nur einige Privilegierte für ihre Zwecke nutzen dürfen.

Es ist höchste Zeit zum Umkehren, um einen anderen Weg einzuschlagen – einen Weg, den wir gemeinsam gehen können und wollen.

Der Weg ist das Ziel. Das Ziel ist Erneuerbar und Bürgerfreundlich!

Ihre Anita Dieminger

Quelle: www.sfv.de

Weiterführende Informationen finden Sie hier: 
https://www.netzausbau.de/Wissen/Europa/PCI/de.html

https://www.netzentwicklungsplan.de/sites/default/files/paragraphs-files/Szenariorahmenentwurf_NEP2035_2021.pdf

Unterstützen Sie uns im Kampf gegen unnötige Megastromtrassen – für eine bürgerfreundliche, umweltverträglichere Energiewende!

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Nur gemeinsam können wir dieses irrsinnige Projekt stoppen und sinnvolle Alternativen aufzeigen!

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